Testen für Alle: Corona-Teststation binnen 4 Tagen realisiert

Die Corona Pandemie dauert nun bereits mehr als ein Jahr und während sich Deutschland bis Mitte Februar nach Monaten des Lockdowns bereits auf dem Weg der Besserung sah, kam mit der zunehmenden Verbreitung der britischen Mutation der exponentielle Anstieg der Infektionen zurück. In der Folge steigt die bundesweite Inzidenz Tag für Tag und kurz vor Ostern ist noch keine Kehrtwende in Sicht.

Als Reaktion auf den nachvollziehbaren Wunsch der Bevölkerung nach Lockerungen und einer Perspektive für den Frühling unter gleichzeitig immer weiter steigenden Inzidenzwerten, hat die Politik sich Anfang März auf das Thema „Schnelltests“ gestürzt.

Testen für alle in Rheinland-Pfalz

In der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz finden sich entsprechende Informationen, welches Angebot die Politik den Bürgern unterbreiten möchte. Zwischen Theorie und Praxis klafft jedoch eine große Lücke, denn während das gesamte Projekt mit „Tests für Alle“ überschrieben ist und Politiker in Fernsehbeiträgen wie Zeitungsberichten von Schnelltests als einem Weg aus dem Lockdown berichten, so finden sich doch kaum Möglichkeiten, von diesen kostenfreien Tests wirklich Gebrauch zu machen.

Die öffentlichen Teststationen werden von DRK und Feuerwehr betrieben. Im Ehrenamt versteht sich, on top zu den bisherigen Aufgaben. Zu einer Zeit, in der Vereine und ehrenamtliche Organisationen seit fast 12 Monaten keine Vereinsaktivität haben. Entsprechend begrenzt können die Angebote im ländlichen Raum nur ausfallen. Und größere Teststationen wie beispielsweise in Trier sind zu Teilen nur für Ortsansässige zugänglich. Testen für Alle verspricht also etwas, was sich in der Realität bisher spärlich wiederfindet. In einem Alltag wohlgemerkt, der durch steigende Zahlen jeden Tag bedrohlicher wirkt. Nach einem langen Winter; zu einem Zeitpunkt, an dem viele Menschen danach lechzen, wieder andere zu treffen. Und sei es nur für einen Spaziergang oder kurzen Besuch an Ostern.

Vater zu Sohn: Bau mir eine Teststation

Unser Geschäftsführer und Gründer Johannes ist in Irsch bei Saarburg aufgewachsen. In dem gerade mal 3 Kilometer von Saarburg entfernen Ort hat Johannes‘ Vater 1994 die eigene Hausarztpraxis als niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin eröffnet. Bei dem klassischen „Hausarzt“ befinden sich Praxis und privater Haushalt unter einem Dach. Entsprechend ist Johannes von klein auf damit konfrontiert worden, dass, wenn es an der Haustüre oder Tag und Nacht das Telefon klingelte, oftmals ein Patient Hilfe suchte.

Als am vorvergangenen Wochenende Papa und Mama Nicknig also bei Johannes anriefen und davon berichteten, dass das Telefon momentan nicht mehr still steht, weil viele Personen nach den kostenfreien medizinischen Schnelltests fragen, war klar, dass eine Lösung her muss. Punktuelle Abstriche in Schutzkleidung bei laufendem Praxisbetrieb oder spontan außerhalb der regulären Sprechzeiten können nicht die Lösung sein, wenn die Politik zum großflächigen Testen für eine Rückkehr zur Normalität aufruft und gleichzeitig Berufsgruppen wie Kindergärtner*innen und Lehrer*innen einen zusätzlichen Bedarf an Abstrichen haben. Daher war die Marschrichtung für die Familie Nicknig schnell klar: entweder wir machen es richtig und professionell, oder wir müssen unsere Patienten enttäuschen. Gut, in Wirklichkeit war es gar keine Frage, schließlich möchte doch jeder irgendwie „Teil der Lösung“ sein. Aber wie ließ sich nun eine eigene Teststation samt Möglichkeit zur Aushändigung der persönlichen Testzertifikate aus dem Boden zu stampfen?

Bevor es an die eigentliche Lösung ging, wurde nochmal Rücksprache mit Vertretern der Stadt Saarburg und der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell gehalten. Welche Kapazitäten gibt es bisher? Wie stark sind diese frequentiert und wie sehen die weiteren Planungen aus? Bei den Gesprächen kam heraus, dass demnächst weitere öffentliche Kapazitäten geschaffen werden, aber dies noch ein paar Wochen dauern könnte, da die Suche nach Räumlichkeiten und Personal noch in Gang ist. Gleichzeitig fehlt es noch an fundierten Erfahrungswerten. Also: Der Bedarf scheint kurz- bis mittelfristig vorhanden zu sein und vor allem wegen der anstehenden Ostertage gilt es, selbst mit anzupacken und gleichzeitig die Chance zu nutzen, vielfältige Erfahrungen für den Sommer zu sammeln.

Irscher Teststation entsteht

Sonntags hat das familieninterne Gespräch stattgefunden inklusive der Gespräche mit der politischen Vertretung. Die Idee war also geboren, doch blind in ein Corona-Abenteuer zu stürzen, kann unter Umständen mit bösen Überraschungen enden. Daher hieß es von Sonntag auf Montag: Schlau machen in Sachen öffentlicher Schnelltests. Was sagt die aktuelle Corona-Bekämpfungsverordnung? Welche Bezugsquellen von Schnelltests stehen vor dem Hintergrund, dass das Land diese Ärzten und privaten Einrichtungen nicht stellt, zur Verfügung? Welche Schulungen müssen absolviert werden? Wie sieht das ideale Hygienekonzept aus? Welches Material gibt es bereits in der Praxis? Und vor allem: Welche Räumlichkeiten bieten sich überhaupt an? Letztere Frage ist durch die Mutter aller Start-up-Lösungen beantwortet worden: Die Doppel-Garage muss her. Ideal gelegen, direkt neben der Arztpraxis, mit ausreichend Platz für die Aufnahme der Personalien, einem privaten Bereich für die Entnahme der Abstriche und eigenem Counter für die Bekanntgabe der Ergebnisse. Dazu dank der Ferienwohnung in der ersten Etage mit Räumlichkeiten für das Testpersonal.

Schlussendlich haben sich die Raumfrage und der rechtliche Rahmen glücklicherweise schnell geklärt, und so ging es weiter an die Prozessgestaltung. Hygienekonzept und Ablaufdiagramm digital erstellen, die Prozesse wieder und wieder durchdenken und rechtzeitig das notwendige Material ordern. Gut, dass Johannes mit seinem Digitalisierungs-Background und vielfältigen Erfahrungen in Sachen Ticketsysteme auf eine solide Basis zurückgreifen konnten. Auch war die Beschaffung von Technik und Equipment sowie die Ausstattung mit Messetechnik (Theken, Aufsteller) und die Erstellung der benötigten Grafikmaterialien schnell mit EURESA Mitteln zu stemmen.

Während unser Grafiker Dennis also Roll-Ups, Messetheken und Plakate für die „Kundenstopper“ designte, wurde parallel unter testen.dr-nicknig.de ein eigenes Ticketsystem eingerichtet, welches donnerstags freigeschaltet wurde und die ersten Anmeldungen für bereits Freitag entgegengenommen hat.

Während Printmaterialien und Technik, wie zum Beispiel Handscanner und Etikettendrucker, per Express auf dem Weg waren, wurde zwei Abende lang die Doppelgarage neben der Irscher Hausarztpraxis ausgeräumt. Leider haben es Garagen so an sich, dass sie über die Jahre einiges an Gegenständen gar magisch anziehen. Also hieß es: ausmisten, saugen, wischen, Material aufbauen und Markierungen auf dem Boden aufkleben. Parallel dazu für ausreichend Steckdosen sorgen und Internet bereitstellen.

Und dann war Freitag. Ab 17 Uhr wurden die ersten Termine für die neue, kostenfreie Teststation in Irsch bei Saarburg vergeben. Und soviel sei schon verraten: Es hat geklappt. Mission completed.

Flyer Corona-Teststation Nicknig in Irsch

Fazit

Ja, es geht! Und wie! Sonntags ist die Idee erstmals ausgesprochen worden, freitags nachmittags haben die ersten 20 Tests binnen 1,5 Stunden stattgefunden. Ohne vorherigen Testlauf und gleichzeitig ohne Probleme. Am nächsten Tag konnten bereits 20 Tests pro Stunde durchgeführt werden. Am dritten Tag waren es bereits 30 Tests / Stunde. Im Rahmen dieser Steigerungen wurden auch die Zeitslots neu eingetaktet, sodass aktuell alle 10 Minuten je 5 Personen einen Abstrich erhalten können. Mit Feintuning, eingespielten Prozessen, einer gründlichen Vorbereitung und mehr Testpersonen ist zudem noch lange nicht Schluss, was die Performance in Sachen Abstrichen pro Stunde angeht.

Da die Kommunikation bisher ausschließlich per Facebook stattgefunden hat, kann noch keine Aussage getroffen werden, was den generellen Bedarf an kostenfreien Tests angeht. Ein wichtiger Punkt jedoch ist die Ausstellung der persönlichen Testzertifikate. Denn diese sind der Türöffner, um bereits jetzt Angebote in der Außengastronomie wahrzunehmen.

Zu einem ausgewogenen Fazit gehört aber auch die Beleuchtung eventueller negativer Aspekte: So ist der bürokratische Aufwand für jeden Testtag nicht zu unterschätzen. Jede Person in der Teststelle muss vorab negativ getestet sein. Es gilt, mehrmals am Tag per E-Mail auf Fragen einzugehen. Nicht alle Personen haben die Möglichkeiten, sich online anzumelden. Die Vorgaben in Sachen Testzertifikaten sind enorm streng und es gibt immer wieder Aktualisierungen hinsichtlich einzuhaltender Vorgehensweisen. Dazu muss jeden Tag zeitnah eine Meldung an das Gesundheitsamt durchgeführt werden und schlussendlich muss man bedenken, dass die freiwilligen Helfer in den Teststationen sich natürlich einem gewissen Risiko aussetzen. Umso wichtiger ist es, auf akkurate Hygiene und klare Konzepte zu achten.

Alles in allem ist es aber keine Zauberei, eine Teststation zu eröffnen. Man sollte sich jedoch ausführlich mit den Anforderungen beschäftigen und aufgrund der Bürokratie sollte man die Testungen mehrmals pro Woche anbieten. Dazu sollten Schnelltests in zum Beispiel Unternehmen oder der Gastronomie von den jeweiligen Inhabern nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn viele denken, es gehe nur darum zu belegen, man sei negativ. Aber gerade die Fälle, in denen es zu einem positiven Testergebnis kommt, verlangen nach höchstmöglicher Hygiene zum Selbstschutz. Dies kann nur durch entsprechende Abläufe, Abstände und Räumlichkeiten gegeben sein.

Dazu sind positive Fälle zeitnah an das jeweils zuständige (!) Gesundheitsamt zu melden. Und bereits nach wenigen Tagen zeigt sich, dass die zuständigen Landesbehörden und Gesundheitsämter untereinander vielleicht nicht derart viel kommunizieren, wie man sich das als Außenstehender vorstellt. Beispiel gefällig? Das offizielle Formular des Landes zur Meldung von Positiv-Fällen an das Gesundheitsamt beinhaltet laut Gesundheitsamt nicht genügend Informationen. Und in Sachen Testzertifikaten gilt: Möchte man diese übersetzt für Grenzgänger anbieten, droht Ärger aus Mainz, denn nur das offizielle Formular darf verwendet werden. Kümmert aber auch nicht alle Teststellen. Herzlich willkommen in der Bürokratie deutscher Verwaltungen.

Nächster Schritt

Der Sommer steht bevor und immer mehr Regionen werden zu sogenannten Modell-Projekten, mit dem Ziel, lokale Öffnungen zu realisieren. Dieser Schritt ist äußerst begrüßenswert und die Tests können hier wirklich den Unterschied ausmachen. Zumindest solange, bis jeder ein Impfangebot erhalten hat. Aber: Statt auf einzelne Testungen bei jeder touristischen Einrichtung zu setzen, sollten zentrale Teststationen mit Ausgabe von Zertifikaten eingerichtet werden. Die Gründe hierfür nochmal kurz und knapp: Hygiene, Abläufe, Bürokratie, Selbstschutz, Anreizproblematik, Kosten und Datenschutz. Wobei in Sachen Bürokratie sicherlich auch eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Land und Gesundheitsämtern bereits helfen würde. Am Ende geht es also darum, dass alle Beteiligten möglichst viele Erfahrungen sammeln und diese dann gemeinsam miteinander austauschen, um das bestmögliche Test-Angebot für den Sommer bereit zu stellen.

Grundsätzlich kann für die Teststation Dr. Nicknig in Irsch festgehalten werden: Der proof of concept ist erfolgreich erfolgt. Aber es geht noch besser. Zudem gibt es vielfältige weitere Ideen für zum Beispiel die Ausstellung von digitalen Zertifikaten, eine Informierung per SMS über den jeweiligen Befund sowie eine mehrsprachige Bescheinigung der Testergebnisse. Jedoch sind die aktuellen Anforderungen an die Schnelltests noch ein bunter Blumenstrauß an Wünschen und Nöten. So kommen viele Personen für die eigene Sicherheit. Also zum Abklären, ob man nicht einfach nur asymptomatisch Corona-positiv ist. Andere benötigen einen negativen Bescheid für den Grenzübertritt, für die Arbeit und/oder die Nutzung der Außengastronomie. Bei Kindern, Schülern und Angestellten reicht es theoretisch, nur diejenigen zu informieren, die positiv getestet werden. Andere benötigen definitiv einen schriftlichen Nachweis. Dieser darf mal maximal 24 Stunden, mal bis zu 72 Stunden alt sein.

Man sieht also eindrucksvoll nach wenigen Tagen: Es geht, aber es könnte noch viel besser gehen, wenn die Rahmenbedingungen einheitlich und klarer sind. Für die Teststation der Arztpraxis Dr. Nicknig aus Irsch gilt jedoch das Motto: Testen, testen, testen. Und so stehen auch an Ostern und den Wochen danach Unmengen an Terminen zur Verfügung. Und bestimmt gibt es nach Ostern weitere Learnings, um danach vielleicht gemeinsam mit manchem Entscheidungsträger eine Strategie für den Sommer zu entwickeln.

Zum Schluss noch eine Pointe: Das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten. Und so gehört es zu dieser, dass EURESA vor 10 Jahren, am 24.01.2021, gegründet würde. Der ursprüngliche Fokus lag (wie der damalige Namenszusatz „kreative Mediengestaltung“ unterstrich) auf kleineren Agenturprojekten. Bis wenige Monate später Johannes‘ Mutter im Rahmen der Sommerplanung die Frage äußerte, ob die nächste AIDA Kreuzfahrt nicht auch im Internet gebucht werden könnte. Wenige Monate später ist aus dieser Frage EURESAreisen mit dem ersten Portal „Rabatt-Schiff“ geworden. 10 Jahre später, mitten in der Pandemie, die die Kreuzfahrt als Teil der gesamten Touristik so gut wie vollständig zum Erliegen gebracht hat, war es also wieder ein zunächst loser Gedanke, der mit Tatendrang binnen kürzester Zeit Realität wurde. Lange Rede kurzer Sinn: Lauscht den Ideen eurer Eltern, sie könnten ein Jahrzehnt eures Lebens vollständig prägen.

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Patrick Team EURESA
Autor: Patrick Hausen  
Leiter Marketing & Kommunikation
Patrick ist bei EURESA für Marketingkonzepte und Content verantwortlich. Der Politik- und Sprachwissenschaftler hat sich zum Online-Redakteur weitergebildet und setzt sich hauptsächlich mit den Themen SEO, SEA und Social Media Marketing auseinander.

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